13. August 2026
Facility Management Ausschreibungen finden: Gebäudereinigung öffentliche Hand strategisch erschließen
Einleitung
Wer Reinigungsaufträge der öffentlichen Hand gewinnen will, kennt das Problem: Die Ausschreibung ist online, die Angebotsfrist läuft in zwölf Tagen ab, der Begehungstermin war gestern. Sie bieten trotzdem, kalkulieren unter Zeitdruck einen Quadratmeterpreis, der kaum Marge lässt, und erfahren Wochen später, dass der Zuschlag an denselben Auftragnehmer ging, der das Gebäude seit vier Jahren reinigt.
Dieser Artikel richtet sich an Vertrieb, Bid Manager und Geschäftsführer von Facility-Management-Unternehmen mit Fokus auf Gebäudereinigung. Er behandelt ausschließlich die Bieterseite: Wie Sie Ausschreibungen nicht nur finden, sondern qualifizieren, den Wettbewerb einschätzen und den richtigen Zeitpunkt erkennen.
Strategische Ausschreibungssuche bei Facility Management erfordert Marktintelligenz über drei Zeithorizonte: vergangene Vergaben (Wer ist der Incumbent?), laufende Ausschreibungen (Passt das Objekt zu meinem Unternehmen?) und auslaufende Verträge (Wann öffnet sich das Fenster für einen Challenger?). Dazu gehört auch, dass relevante Dienstleistungen je nach Vergabestelle unter abweichender Bezeichnung erscheinen und gerade bei unterhaltsnahen Leistungen leicht übersehen werden.
Das nehmen Sie aus diesem Artikel mit:
- Wie Incumbent-Analyse bei Reinigungsdiensten funktioniert und warum sie über Gewinn oder Verlust entscheidet
- Warum das Timing bei FM-Ausschreibungen wichtiger ist als der niedrigste Preis
- Welche rechtlichen Besonderheiten im DACH-Raum Ihre Kalkulation direkt beeinflussen
- Welche Eignungsnachweise und Zertifizierungen Vergabestellen bei Gebäudereinigung verlangen und warum erfolgreiche Angebote zusätzlich belastbare Details aus den Vergabeunterlagen erfordern
- Wie Sie durch strategische Partnerschaften (ARGE, Sub, GU) auch bei komplexen Losen konkurrenzfähig werden
Grundlagen des Facility Management-Ausschreibungsmarkts öffentliche Hand
Rechtlicher Rahmen im DACH-Raum
Die Vergabe von Reinigungsdienstleistungen und Facility Services folgt in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterschiedlichen Regelwerken. Diese Unterschiede bestimmen Fristen, Eignungsnachweise und Verfahrensarten.
Deutschland: Für Dienstleistungen wie Unterhaltsreinigung oder Glasreinigung gilt im Unterschwellenbereich die Unterschwellenvergabeordnung (UVgO). Bauaufträge werden separat über die VOB/A geregelt. Seit dem 1. Januar 2026 gelten neue EU-Schwellenwerte: Liefer- und Dienstleistungsaufträge müssen ab 216.000 € EU-weit ausgeschrieben werden, bei oberen Bundesbehörden bereits ab 140.000 €. Ca. 90 % aller Vergabeverfahren in Deutschland sind laut Vergabestatistik 2022 des BMWK Unterschwellenwertvergaben; monetär dominiert jedoch der Oberschwellenbereich mit rund 76 % des Auftragsvolumens. Zusätzlich gelten im Gebäudereiniger-Handwerk seit Februar 2025 bundesweit verbindliche Mindestlöhne: Lohngruppe 1 (Innen- und Unterhaltsreinigung) liegt ab Januar 2026 bei 15,00 €/h, Lohngruppe 6 (Glas- und Fassadenreinigung) bei 18,40 €/h.
Österreich: Das BVergG 2018 regelt alle öffentlichen Ausschreibungen. Bieter müssen Eignungsnachweise für berufliche Befugnis, Zuverlässigkeit sowie wirtschaftliche und technische Leistungsfähigkeit vorlegen. Im Oberschwellenbereich ist die Einheitliche Europäische Eigenerklärung (EEE) verpflichtend. Über das Auftragnehmerkataster ANKÖ können Unternehmen Eignungsdaten zentral hinterlegen; die Datenbank des ANKÖ-Vergabeportals umfasst laufende und abgeschlossene Ausschreibungen. Öffentliche Auftraggeber in Österreich sind verpflichtet, Ausschreibungen transparent zu veröffentlichen. Standorte wie Wien, Graz, Innsbruck und Kärnten haben eigene Vergabepraktiken innerhalb des BVergG-Rahmens. Die Bundesbeschaffung GmbH bündelt den Einkauf für den Bund und wickelt häufig Ausschreibungen für Reinigungsdienstleistungen ab.
Schweiz: Grundlage sind das Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) und die interkantonale Vereinbarung IVöB. Aufträge müssen wirtschaftlich und transparent vergeben werden. Die zentrale Plattform ist SIMAP für Bund, Kantone und Gemeinden. Ergänzende Dokumentvorlagen stellt die KBOB bereit.
Diese rechtliche Vielfalt hat eine direkte Konsequenz für Bieter: Wer in mehreren DACH-Ländern auf Reinigungsaufträge bieten will, muss unterschiedliche Eignungsnachweise, Fristen und Verfahrensarten parallel managen.
Marktsegmente und Auftragsarten
Die Gebäudereinigungsbranche in Deutschland generiert aktuell ein Marktvolumen von über 30 Mrd. EUR (laut amtlicher Strukturerhebung des Statistischen Bundesamtes zuletzt 30,1 Mrd. EUR; aktuelle Hochrechnungen des Branchenverbandes liegen bei rund 34–35 Mrd. EUR). Davon entfielen ca. 22,3 Mrd. EUR auf allgemeine Gebäudereinigung. Der Sektor beschäftigt über 1,06 Millionen Menschen in mehr als 45.000 Unternehmen.
Die Unterhaltsreinigung ist die wohl häufigste ausgeschriebene Reinigungsleistung. Daneben stehen Glasreinigung (Fensterflächen und Glasfassaden), Fassadenreinigung, technisches Gebäudemanagement mit Wartungs- und Technik-Bezug sowie Spezialreinigungen wie Bauendreinigungen. Facility Management Aufträge umfassen dabei sowohl technische Gebäudeverwaltung als auch Reinigung. Es gibt EU- und DACH-weit tausende Ausschreibungen für Reinigungsdienstleistungen. Diese Ausschreibungen werden je nach Bezeichnung auch als Leistungen, Dienste oder Reinigungsleistungen geführt, was die Suche zusätzlich erschwert.
Reinigungsdienstleistungen werden oft als Rahmenverträge über mehrere Jahre vergeben, typischerweise mit 3 bis 5 Jahren Laufzeit. Einzelvergaben sind seltener, kommen aber bei Sonderprojekten vor. Ausschreibungen für Facility Management sind oft in Lose unterteilt: ein Los für Unterhaltsreinigung, mit separaten Unterhalts- oder Wartungsanteilen als typischer Losabgrenzung, ein anderes für Glasreinigung, ein drittes für Winterdienst oder Hausmeisterdienstleistungen.
Die Objekttypen unterscheiden sich stark in ihren Anforderungen. Schulen verlangen hohe Flächenleistungen bei moderaten Hygienestandards. Universitätskliniken und Krankenhäuser haben strikte Desinfektions- und Hygieneprotokolle. Verwaltungsgebäude sind oft weniger anspruchsvoll, aber volumenreich. Verkehrseinrichtungen bringen Anforderungen an Verfügbarkeit und Straßen- bzw. Außenreinigung mit. Diese Vielfalt bestimmt, welche Suchstrategie Sie als Bieter brauchen.
Warum klassische Portalsuche bei FM-Ausschreibungen scheitert
Das Problem der reaktiven Ausschreibungssuche
Die Recherche öffentlicher Ausschreibungen erfordert eine strukturierte Vorgehensweise über verschiedene Plattformen. TED ist das offizielle Portal für europaweite öffentliche Aufträge oberhalb der Schwellenwerte. Für den Download von Vergabeunterlagen ist eine Registrierung auf Vergabeplattformen erforderlich. Suchprofile können auf Vergabeportalen eingerichtet werden, um E-Mail-Benachrichtigungen zu erhalten. Wie relevant die Treffer sind, hängt dabei von der konkreten Bezeichnung und den hinterlegten Suchkriterien ab.
Das klingt nach einer Lösung. In der Praxis scheitert es bei Gebäudereinigung an drei Punkten:
Die Bekanntmachungen auf TED, DTVP oder kommunalen Vergabeportalen liefern eine Listenansicht mit CPV-Code 90910000-9 (“Gebäudereinigung”), aber nicht die für die Durchführung der Arbeit und die ausgeschriebenen Leistungen relevanten Details. Sie zeigen nicht, wer der aktuelle Auftragnehmer ist, wann der laufende Vertrag endet oder wie viele Wettbewerber sich beim letzten Mal beteiligt haben. Ohne diese Informationen bieten Sie blind.
Objektbegehungen sind bei FM-Ausschreibungen oft Pflicht und fester Bestandteil der Vergabeunterlagen. Wer zu spät von der Ausschreibung erfährt, verpasst den Termin. Ohne Begehung keine Angebotsabgabe.
Öffentliche Aufträge im Facility Management verteilen sich auf zahlreiche Vergabequellen. Wer manuell drei oder vier Portale durchsucht, sieht nur einen Bruchteil des Markts und erzeugt ohne saubere Relevanz-Bewertung viel Streuverlust.
Margendruck durch unqualifizierte Bewerbungen
Wenn Reinigungsunternehmen ohne Kapazitäts- oder Fach-Matching bieten, entsteht reiner Preiswettbewerb. Ein Unternehmen ohne Erfahrung in Klinikdesinfektion bietet auf Klinikraumreinigung, drückt den Preis, und der qualifizierte Bieter muss mitziehen oder verliert.
Suchprofile mit CPV-Codes reduzieren das Risiko, relevante Ausschreibungen zu übersehen. Aber sie lösen nicht das Kernproblem: Eine reine CPV-Code-Suche filtert nach Leistungsart, nicht nach strategischer Passung. Sie erfasst zwar Leistungsarten, trifft aber keine Aussage über die praktische Durchführung der ausgeschriebenen dienste am Objekt. Sie sagt nichts darüber, ob das Objekt zu Ihrem Personal am Standort passt, ob der Incumbent seit acht Jahren dort reinigt und bei der letzten Vergabe 12 % unter Ihrem kalkulierten Preis lag, oder ob die Angebotsfrist noch eine Begehung zulässt.
Zeitverschwendung bei aussichtslosen Verfahren kostet nicht nur Personalstunden für die Bewerbung. Sie bindet Kapazität, die in gewinnbare Aufträge fließen könnte, statt in unpassende Bewerbungen, bei denen kein echter Spezialist-Vorteil besteht. Die Frage ist nicht, ob Sie mehr Ausschreibungen finden. Die Frage ist, ob Sie die richtigen qualifizieren.
Die drei Zeithorizonte der FM-Marktintelligenz
Öffentliche Vergabe ist kein Glücksspiel. Sie ist ein Informationsspiel. Wer nur eine Ausschreibungsliste sieht, sieht nicht, wer der aktuelle Lieferant ist. Wer den aktuellen Lieferanten nicht kennt, kann den Zeitpunkt nicht einschätzen. Wer den Zeitpunkt nicht kennt, bietet blind und verliert gegen jemanden, der es besser wusste.
Vergangenheit: Zuschlagsbekanntmachungen und Incumbent-Analyse
Zuschlagsbekanntmachungen sind Pflichtpublikationen nach Vertragsabschluss. Sie enthalten den Namen des Gewinners, den Auftragswert, die Laufzeit und den Leistungsumfang, sodass sich oft auch wiederkehrende Reinigungsleistungen erkennen lassen. Vergangene Vergaben können analysiert werden, um Markt- und Wettbewerbsinformationen zu erhalten.
Konkret heißt das: Wer putzt aktuell das Rathaus, die Schulen oder die Universitätsklinik? Zu welchem Quadratmeter- oder Stundenverrechnungssatz ging der Zuschlag damals raus? Wenn ein Platzhirsch in einer Stadt regelmäßig die Zuschläge erhält, ist das kein Zufall, sondern ein Muster. Sie können entscheiden, ob Sie gegen diesen Incumbent realistisch bestehen oder ob Ihre Ressourcen anderswo besser eingesetzt sind.
Marktübliche Stundenverrechnungssätze in der Gebäudereinigung liegen 2026 bei etwa 30 bis 48 € netto pro Stunde (Anm.: Unterhaltsreinigung vs. spezialisierte Glas-/Fassadenreinigung). Dieser Satz setzt sich zusammen aus Bruttolohn (ab 2026 mind. 15,00 €/h in LG 1 bzw. 18,40 €/h in LG 6), Lohnnebenkosten (ca. 22–24 %), Ausfallzeiten für Urlaub, Krankheit und Feiertage (ca. 15–20 %), Gemeinkosten für Verwaltung, Fuhrpark und Chemie (ca. 12–18 %) sowie Gewinn- und Risikoaufschlag (ca. 5–10 %). Wer in vergangenen Bekanntmachungen sieht, dass Zuschläge rechnerisch unter der Kostendeckungsgrenze lagen, weiß: Darüber kalkuliert der Mitbewerber kaputt oder verstößt gegen die Vorgaben zur Mindestlohn-Tariftreue.
Portale prüfen hunderte Vergabequellen auf passende Ausschreibungen. aufträge.io geht einen Schritt weiter: Die Plattform macht Zuschlagsbekanntmachungen systematisch durchsuchbar und zeigt Incumbents, Auftragswerte und Vertragslaufzeiten auf einen Blick. Andere zeigen Listen. aufträge.io qualifiziert vor.
Gegenwart: Qualifizierte Ausschreibungsfilterung
Laufende Ausschreibungen nach Branche, Region, Auftragswert und Verfahrensart automatisch filtern; das können viele Portale. Der Unterschied liegt in der Qualifizierung.
Passt die Objektgröße zu Ihrem Personalstamm am Standort? Ist die Entfernung zum Objekt vertretbar? Ist eine Vor-Ort-Begehung vorgeschrieben, und liegt der Termin noch in der Zukunft? Welches Gewerk wird ausgeschrieben: Schulreinigung, Reinraumreinigung oder Fensterreinigung? Welche Nachweise verlangt die Leistungsbeschreibung, und welche technischen Leistungen oder Technik-Bezüge sind darin konkret beschrieben?
aufträge.io berechnet über eine Vektoren-Intelligenz bei neuen Ausschreibungen automatisch potenzielle Partner und Marktteilnehmer. Diese Anbieter-Matrix zeigt, ob Sie als Generalunternehmer auftreten, als Subunternehmer agieren oder eine Bietergemeinschaft (ARGE) bilden sollten. Der Bieter entscheidet datenbasiert, nicht aus dem Bauch.
Konkrete Beispiele aus dem laufenden Markt: Die Frist für einen Facility Management Auftrag in Hamburg ist der 10. September 2026. Technisches Gebäudemanagement wird für das Bayerische Landesamt von 2022 bis 2024 ausgeschrieben. Die Frist für Hausverwaltung an KfW-Standorten endet am 7. September 2026. Emissionsmessungen gemäß BImSchG müssen bis zum 2. September 2027 durchgeführt werden. Jede dieser Ausschreibungen hat andere Eignungskriterien, andere Losstrukturen, andere Fristen und andere Details zur Durchführung. Manuell durchzuarbeiten dauert Stunden; mit qualifizierter Filterung Minuten.
Zukunft: Auslaufende Rahmenverträge als Frühwarnsystem
FM- und Reinigungsaufträge haben fast immer 3 bis 5 Jahre Laufzeit, oft mit Verlängerungsoptionen (z. B. 2 Jahre Festlaufzeit plus Option). Wenn Sie wissen, dass der Rahmenvertrag für die Schulreinigung einer Stadt am 31.12.2027 ausläuft, startet Ihr Vertriebsmapping im Frühjahr 2027.
Dieses Monitoring 12 bis 18 Monate im Voraus ist der Zeitpunkt, an dem sich gewinnbare Aufträge von Blindbewerbungen trennen. Sie können:
- Die Leistungsbeschreibung des aktuellen Vertrags aus der Zuschlagsbekanntmachung analysieren
- Ihr Angebot inhaltlich und preislich vorbereiten, bevor die offizielle Ausschreibung erscheint
- Gegebenenfalls Kontakt zu potenziellen ARGE-Partnern aufnehmen, um komplexe Lose abdecken zu können
- Personal und Kapazität am Standort rechtzeitig planen
aufträge.io zeigt auslaufende Verträge als Frühwarnsystem. Sie sehen nicht nur, was heute ausgeschrieben ist, sondern was demnächst ausgeschrieben wird. Das Ergebnis: planbare Pipeline statt reaktives Bieten.
Für langfristige Pipeline-Planung sind drei Faktoren entscheidend: regelmäßige Aktualisierung Ihrer Incumbent-Datenbank, systematisches Tracking der Vertragslaufzeiten in Ihren Zielregionen und die Bereitschaft, in vorgelagerte Vertriebsarbeit zu investieren, bevor die Bekanntmachung online geht.
Praktisches Vorgehen bei FM-Ausschreibungen öffentliche Hand
Strategische Ausschreibungsqualifizierung
Nicht jede Ausschreibung verdient ein Angebot. Eine bewusste Bid/No-Bid-Entscheidung spart Ressourcen und steigert die Win-Rate. Das Produkt aufträge.io steht auf 25 Jahren Bieterpraxis; jedes zweite bis dritte Angebot wurde gewonnen. Dieser Wert ist kein Zufall, sondern Ergebnis konsequenter Qualifizierung.
Schritt 1: Incumbent-Check und Wettbewerbsstärke bewerten. Wer hält den aktuellen Vertrag? Seit wann? Zu welchem Preis? Wenn derselbe Dienstleister seit drei Vertragsverlängerungen reinigt und die Vergabestelle zufrieden ist, brauchen Sie ein starkes Differenzierungsargument jenseits des Preises.
Schritt 2: Objektbegehung terminlich und kapazitätsmäßig prüfen. Liegt der Begehungstermin noch in der Zukunft? Haben Sie Personal, das teilnehmen kann? Ohne Begehung oft kein Angebot möglich; die Vergabeunterlagen sollten dafür alle objektspezifischen Details zur Durchführung enthalten.
Schritt 3: Partnerschaftsoptionen für Lose und Teilleistungen evaluieren. Ausschreibungen für Facility Management sind oft in Fach- oder Teillose unterteilt. Wenn Sie Unterhaltsreinigung abdecken, aber keine Glasreinigung, können bei technischen oder Wartungs-Leistungen ein Subunternehmer oder eine ARGE-Partnerschaft das Gesamtlos bedienen. Die Anbieter-Matrix von aufträge.io zeigt passende Marktteilnehmer datenbasiert auf.
Schritt 4: Kalkulation unter Berücksichtigung Mindestlohn und Tariftreue. Ab Januar 2026 muss die Kalkulation neben Mindestlohn und Tariftreue auch die tatsächliche Arbeit je Leistungsart realistisch abbilden. Am Beispiel Deutschland: In Lohngruppe 1 liegt der Mindestlohn dann bei 15,00 €/h, in Lohngruppe 6 bei 18,40 €/h. Angebote, die diese Untergrenzen nicht abbilden, riskieren Ausschluss oder rechtliche Beanstandung. Flächenleistungen variieren je nach Objektart: Klassenräume liegen bei 180 bis 220 m²/h, Kliniken und Treppenhäuser darunter.
Vergleich Suchansätze
| Kriterium | Reaktive Portalsuche | Strategische Marktintelligenz (aufträge.io) |
|---|---|---|
| Zeitaufwand pro Woche | Hoch (manuelle Suche auf mehreren Portalen) | Gering (automatische Filterung aus hunderten von Quellen) |
| Informationstiefe | CPV-Code, Fristdaten, Vergabeunterlagen-Download | Incumbent, Auftragswert, Vertragslaufzeit, Anbieter-Matrix, Details zu Leistungen |
| Wettbewerbseinschätzung | Nicht vorhanden | Zuschlagshistorie, Platzhirsch-Analyse |
| Erfolgsquote | Niedrig (viele Blindbewerbungen) | Höher (qualifizierte Bid/No-Bid-Entscheidung) |
| Auslaufende Verträge | Nicht sichtbar | Frühwarnung 12-18 Monate vor Neuausschreibung |
| Kosten | Scheinbar gering (hoher Fristdruck) | Planbarer Vertrieb & höhere Win-Rate |
Ausschreibungen scheitern oft nicht an der Suche selbst, sondern an der fehlenden Relevanz-Bewertung der Anforderungen. Wer ohne Vorbereitung bietet, verliert nicht am Preis, sondern an fehlenden Eignungsnachweisen oder falschem Timing. Die Entscheidung zwischen den beiden Ansätzen ist keine Frage des Budgets, sondern der Frage: Messen Sie Ihren Erfolg in abgegebenen Angeboten oder in gewonnenen Aufträgen?
Häufige Fallstricke und Lösungsansätze
Eignungsnachweise und Zertifizierungsanforderungen
Öffentliche Auftraggeber verlangen oft Eignungsnachweise für Ausschreibungen: Gewerbeanmeldung, Unbedenklichkeitsbescheinigungen, Insolvenzfreiheit, Referenzen vergleichbarer Objekte und technische Ausstattung, auch für die Durchführung spezialisierter Leistungen. Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 ist oft erforderlich; DIN EN 13549 ist ein Qualitätsstandard für Facility Management. In Österreich akzeptieren Vergabestellen Eigenerklärungen, EEE und ANKÖ-Nachweise.
Lösung: Halten Sie ein aktuelles “Bieter-Dossier” mit allen wiederkehrenden Nachweisen bereit; ein Fach-Spezialist sollte dafür interne Zuständigkeiten festlegen. Aktualisieren Sie Referenzlisten quartalsweise. Prüfen Sie bei jeder Zertifizierung die Gültigkeitsdauer und planen Sie Rezertifizierung ein, bevor eine Ausschreibung Sie überrascht.
Unrealistische Kalkulationen unter Zeitdruck
Ein Reinigungsunternehmen kalkulierte einen Auftrag auf Basis eines Klassenraums mit 200 m² und leitete daraus die konkrete Arbeit je Objektart ab, kam aber mit einem Stundenverrechnungssatz von 30 bis 35 € zu einem Angebotspreis pro Quadratmeter, der im Wettbewerb kaum zu halten war. Das Problem lag nicht im Preis, sondern im fehlenden Vergleichswert: Ohne Kenntnis der Zuschlagspreise vergangener Verfahren war die Kalkulation ein Schuss ins Dunkle.
Lösung: Standardisierte Kalkulationsmodelle mit Benchmark-Werten pro Objekttyp aufbauen. Flächenleistungen (80 bis 220 m²/h je nach Objektart), Mindestlohngruppen und Lohnnebenkosten als feste Variablen hinterlegen. Zusätzlich sollten Unterhalts- und Reinigungsleistungen getrennt bewertet werden. Vergangene Zuschlagsbekanntmachungen als Preisdatenbank nutzen.
Verpasste Begehungstermine durch späte Information
Bei einer Angebotsfrist von drei Wochen und einem Begehungstermin in Woche eins bleibt kein Spielraum. Wer die Ausschreibung erst in Woche zwei entdeckt, ist raus.
Lösung: aufträge.io liefert automatische Benachrichtigungen bei relevanten Neuausschreibungen, gefiltert nach Ihrem Unternehmensprofil. Statt täglich auf sechs Vergabeportalen zu suchen, erhalten Sie qualifizierte Treffer per E-Mail.
Fazit und nächste Schritte
Facility Management Ausschreibungen der öffentlichen Hand sind ein Informationsspiel. Wer die drei Zeithorizonte nutzt (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft), hört auf zu raten und fängt an, strategisch zu bieten.
Sofort umsetzbar: Starten Sie eine Incumbent-Recherche bei den Objekten, die Sie interessieren. Wer reinigt aktuell die Schulen Ihrer Stadt? Zu welchem Preis ging der Zuschlag beim letzten Mal?
Mittelfristig: Etablieren Sie systematisches Monitoring auslaufender Rahmenverträge in Ihren Zielregionen. Identifizieren Sie Vertragsenden 12 bis 18 Monate im Voraus.
Langfristig: Bauen Sie strategische Partnerschaften für komplexe Lose auf. Prüfen Sie bei jeder Ausschreibung, ob GU, Sub oder ARGE die richtige Rolle ist.
Wenn Sie aufgehört haben zu raten und anfangen wollen zu wissen, welche Ausschreibungen zu Ihnen passen, wer der aktuelle Lieferant ist und wann der nächste Vertrag ausläuft, dann ist das der richtige Zeitpunkt für aufträge.io.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich aufträge.io von TED und DTAD bei FM-Ausschreibungen?
TED ist die EU-Pflichtpublikationsplattform für Bekanntmachungen oberhalb der Schwellenwerte. DTAD bietet breite Datenabdeckung, bleibt aber primär eine Listenansicht. Vergabe24 und DTVP sind stark auf der Vergabestellenseite positioniert. aufträge.io ist für Bieter gebaut: Es zeigt nicht nur laufende Ausschreibungen, sondern auch vergangene Zuschläge mit Incumbent-Daten und auslaufende Verträge als Frühwarnsystem. Drei Zeithorizonte statt einer Bekanntmachungsliste.
Wie unterscheiden sich die Eignungsnachweise im DACH-Raum bei Reinigungsaufträgen?
In Deutschland greift meist das Formblatt 124 oder die PQ-Bau/Dienstleistung, in Österreich läuft der zentrale Eignungsnachweis über den ANKÖ (sowie BUAK- bzw. Lohn- und Sozialdumping-Nachweise), während in der Schweiz die KBOB-Musterformulare und SIMAP maßgeblich sind.
Welche CPV-Codes sind für Gebäudereinigung relevant?
Der zentrale Code ist 90910000-9 (Reinigungsdienste). Daneben relevant: 90911200-8 (Gebäudereinigung), 90911300-9 (Fensterreinigung), 90919200-4 (Büroreinigung). CPV-Codes können durch die abweichende Bezeichnung einzelner Leistungen oder spezieller Reinigungsleistungen trotzdem unvollständig sein. Suchprofile mit CPV-Codes reduzieren das Risiko, relevante Ausschreibungen zu übersehen, ersetzen aber keine strategische Qualifizierung nach Objekttyp, Region und Wettbewerbslage.
Wann lohnt sich eine Bietergemeinschaft bei größeren FM-Verträgen?
Eine ARGE ist sinnvoll, wenn ein Auftrag in Lose unterteilt ist, die verschiedene Gewerke abdecken (z. B. Unterhaltsreinigung, technische Dienste oder Wartungs-Leistungen), und kein einzelnes Unternehmen alle Lose bedienen kann. Auch bei Aufträgen, die regionale Präsenz an mehreren Standorten erfordern, kann eine Partnerschaft den Zuschlag sichern. Die Anbieter-Matrix von aufträge.io berechnet passende Partner automatisch.
Wie früh kann man auslaufende Rahmenverträge identifizieren?
Zuschlagsbekanntmachungen enthalten Vertragslaufzeit und Startdatum. Daraus lässt sich das Vertragsende berechnen. Bei Rahmenvereinbarungen mit 3 bis 5 Jahren Laufzeit ist eine Identifikation 12 bis 18 Monate vor Auslauf realistisch. aufträge.io macht diese Daten systematisch durchsuchbar.
Welche Rolle spielt die Tariftreue bei öffentlichen Reinigungsaufträgen in Deutschland?
Ab Januar 2026 gelten in Deutschland Mindestlöhne von 15,00 €/h (Lohngruppe 1) bzw. 18,40 €/h (Lohngruppe 6, Glas- und Fassadenreinigung). Vergabestellen prüfen die Einhaltung dieser Untergrenzen in der Kalkulation. Angebote, die den Mindestlohn rechnerisch nicht abbilden, werden ausgeschlossen oder führen zu Nachforderungen. Die Tariftreue ist kein formaler Zusatz, sondern kalkulationsrelevant.